Tschechien wird von Smog geplagt

Feinstaub erschwert weiterhin das Atmen in Teilen des Landes

Der Smog, der in weiten Teilen Tschechiens herrscht, wird aufgund der anhaltenden Inversionswetterlage den Menschen auch weiterhin das Atmen erschweren. Obwohl in den letzten Tagen Böhmen, und insbesondere die Hauptstadt Prag, ein wenig aufatmen konnte, hat sich die Situation vor allem im Osten des Landes, in Mähren verschlechtert.

Smog entsteht in ländlichen Gebieten, wo beim intensiven Heizen neben Kohle und Holz häufig auch Plastik und andere brennbare Stoffe verfeuert werden. In städtischen Gebieten ist es wiederum vor allem der Autoverkehr, der die stark erhöhten Feinstaubkonzentrationen verursacht.

Weil die Grenzwerte für die Umweltbelastung teils mehrfach überschritten wurden, wurde anfangs der Woche zeitweilig der Betrieb von einigen Industrieanlagen in Prag beschränkt. Der Stadtrat stand sogar kurz davor, den öffentlichen Personennahverkehr kostenlos zur Verfügung zu stellen, um die Belastung der Luft durch Emissionen aus dem Straßenverkehr einzuschränken. Zu dieser Maßnahme wurde letztendlich nicht gegriffen, auch die Möglichkeit, die Anzahl von Autos in den Straßen der Stadt zu begrenzen blieb auch ungenutzt.

Der Umweltminister Richard Brabec legte am Mittwoch der Regierung seinen Bericht zur aktuellen Lage vor. Diese kam zum Schluss, dass gesetzliche Normen in dieser Hinsicht ausreichend seien, dass aber Städte und Gemeinden ihnen zur Verfügung stehenden gesetzlichen Mittel praktisch überhaupt nicht ausnützten.

Gemeint ist vor allem die Schaffung von Umweltzonen, die dazu beitragen sollen, die Menge von Schadstoffen aus dem Autoverkehr zu minimalisieren. Zudem hat eine im Oktober vergangenen Jahres verabschiedete Gesetzesnovelle zum Schutz der Atmosphäre den Gemeinden mehr Kompetenzen verliehen, mit einer akuten Smogsituation umzugehen und die Feinstaubwerte in der Luft zu reduzieren.

In einem gemeinsamen Papier haben tschechische Umweltschutzgruppen der Regierung vorgeworfen, die Ursachen der Luftverschmutzung nicht lösen zu wollen. Als Beispiel führten sie Subventionen von Heizkesseln für Braunkohle aus EU-Mitteln an sowie die Verschiebung der Ausarbeitung eines "Anti-fossilen Gesetzes", das die Abhängigkeit Tschechiens von fossilen Brennstoffen reduzieren soll. Die Umweltschützer sind überzeugt, dass sich Smog-Situationen wiederholen werden, solange die Regierung keine weiteren, wirklich effektiven strategischen Entscheidungen fällt und bestehende Gesetze nicht verbessert.

Trotz existierender Regelungen will die Stadt Prag eine Anordnung verabschieden, die eine genaue Anleitung für den Fall vorsieht, dass der Feinstaubgehalt eine Regulierung des Autoverkehrs erforderlich macht. Eine solche kurzzeitige Regulierung könnte verschiedene Formen haben. So könnte zum Beispiel das Stadtzentrum komplett für den Autoverkehr oder nur für ältere Benzin- und Dieselfahrzeuge geschossen werden. In Frage käme auch ein im Ausland üblicher Verbot der Nutzung von Fahrzeugen, deren Kennzeichen mit einer geraden bzw. ungeraden Ziffer endet.

Die zaghaften Schritte der Stadtregierung unter der Oberbürgermeisterin Adriana Krnáčová (ANO) wurden von der Opposition in der Stadtvertretung kritisiert. "Die Prager Koalition hat die Smog-Situation verschlafen. Außer Erklärungen für die Medien hat sie nämlich nichts gemacht. So lange über Smog zu reden, bis er sich von selbst auflöst ist, keine Lösung," kommentierte auf Facebook der Vorsitzende der oppositionellen, üblicherweise sehr Autofahrer-freundlichen Bürgerlich-demokratischen Partei (ODS) Filip Humplík.

Genaue und aktuelle Informationen über die Luftqualität in Tschechien kann man hier auf einer speziellen Internetseite des Tschechischen Hydrometeorologischen Instituts finden: portal.chmi.cz

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