Das Prager Bierparadies

Das Base Camp in Prag-Letná befriedigt jeden Bierliebhaber

Bier. Manna, flüssiges Brot. Das tschechische Nationalgetränk. Ganze 143 Liter pro Kopf haben die Tschechen im Jahr 2015 getrunken - d.h. einschließlich Kinder und Abstinenten. Zur Zeit der Planwirtschaft der sogenannten sozialistischen Republik hieß es, wenn das Regime den Bierpreis erhöht, wird es gestürzt. Nun, eine Erhöhung des Bierpreises war es nicht, die letztendlich zur "Samtenen Revolution" führte, aber tatsächlich haben sich die Kommunisten gehütet, den Preis des Lieblingsgetränks der Tschechen merklich zu erhöhen.

Tschechien ist nicht nur das Land des Pilsner Bieres, das auch in Deutschland so beliebt ist, oder des Budweiser Bieres. Es ist auch ein Land der kleinen Brauereie. Nachdem es um die Jahrtausendwende nur noch einige Dutzend, vor allem Großbrauereien gegeben hat, hat es in den vergangenen Jahren einem Boom der kleinen Brauereien gegeben. Aktuell gibt es in Tschechien insgesamt 379 Brauereien, davon 44 Industriebrauereien und 335 kleine Brauereien, wobei die Grenze bei 10.000 Hektoliter Produktion liegt. Zu entdecken gibt es also viel.

Getrunken wird es am liebsten natürlich in der „Hospoda“, tschechisch für Kneipe, schön frisch vom Fass. Fast an jeder Ecke ist so eine Hospoda, die häufig auch als Wohnzimmer vieler ihrer Stammgäste dient. Aus verschiedenen Gründen ist in letzter Zeit aber auch das Bier in Glas- oder Plastikflaschen und Bierdosen im Aufwind. Die Statistiken der Bierbrauer sprechen davon, dass heute an die 60 % des hergestellten Bieres nicht in der Gastronomie, sondern vor allem Zuhause getrunken wird. Somit wird der Bierkonsum in Tschechien ähnlicher dem seiner westlichen Nachbarn.

Das Bier aus der Flasche hat natürlich auch seine Vorteile. Auch wenn eingeschworene Fassbiertrinker nur in der Not zur Flasche greifen, manche Biere gibt es vom Fass nur sehr selten. Und über den Geschmacksunterschied zwischen Flaschen- und Fassbier lässt es sich streiten. Will man aber sein Bier in den eigenen vier Wänden genießen, lohnt es sich, einen Vorrat daheim zu haben. Und wenn man entdeckungsfreudig ist und gerne Mal etwas Neues probiert, sollte man wissen, wo es eine gute Auswahl gibt.

Von Außen ist das Paradies unauffällig. In einer Seitenstraße unweit der Akademie der Bildenden Künste Prag im Letná-Viertel leuchtet ein gelbliches Schild mit der Aufschrift "Base Camp" über einer Eingangstür, daneben ein Fenster und eine Vitrine. Im Vorbeigehen bemerkt man es kaum. Kenner wissen aber, was hinter der Tür zu finden ist. Vor allem sind es Kühlschränke mit Glastüren, die vollgeladen sind mit Bieren. Über 350 Biersorten gibt es hier aus Tschechien, Europa und ein paar auch aus Übersee.

Man kann seine Auswahl natürlich mit nach Hause nehmen und sie da in Ruhe genießen. Man kann aber auch im Base Camp sein Lager aufschlagen, sich an einen Tisch setzen oder im Stehen probieren. Bierfans, mit denen man sich über das Thema Bier unterhalten kann, sind immer da. Zeit hat man von 14 bis 24 Uhr, manchmal bedeutend länger. Es hängt nur davon ab, wie viele Gäste im Laden sind und wie der Inhaber Honza aufgelegt ist. Zu den Gästen gehören sowohl Studenten, Expats als auch Bierliebhaber älteren Semesters, beiderlei Geschlechts.

Und Biere gibt es viele. Man kann sich hier einen Überblick machen über das Angebot kleiner tschechischer Brauereien. So gibt es hier immer Biere der berühmten Matuška-Brauerei, die sich vor allem mit ihren obergärigen IPAs einen Namen gemacht hat. Übrigens, ein IPA (India Pale Ale) gibt es heutzutage von fast jeder Brauerei in Tschechien. Das aus den USA importierte Phänomen ist von der tschechischen Bierszene schon seit Jahren nicht wegzudenken. Egal, ob das IPA von Bizon, Raven, Clock, Kocour oder Permon gebraut wurde, ausprobieren sollte man es auf jeden Fall.

Wer nicht unbedingt etwas Spezielles ausprobieren will, sondern lieber bei Lagerbier und Pilsner bleibt, hat auch eine große Auswahl nicht nur tschechischer Biere. Deutsche Expats können hier in Nostalgie schwelgen und Biere aus der Heimat trinken. Enttäuscht könnten diejenige sein, die aus der Fernsehwerbung bekannte Namen suchen. Die findet man hier kaum. Dafür gibt es aber echte Bierschmankerl nicht nur aus Bayern. Münchner werden sich über ihr geliebtes Label mit dem Augustinermönch freuen, Hipster über das Tegernseer Hell und auch Weißbier-Freunde werden mit Franziskaner, Schneider oder Karg über alle Maßen zufrieden sein.

Das Angebot ist in der Tat riesig. Und kommt man mit Begleitung, die kein Bier trinkt, so gibt es Radler, Cider oder sogar Softdrinks. Ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall.

Base Camp pivotéka
U studánky 253/27
170 00 Praha 7 – Bubeneč
web www.pifko.info

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