Gemeinsame Sprache gefunden

"Kinder finden immer eine gemeinsame Sprache. Das ist kein Problem"

Schon aus der Ferne hört man das Treiben im Garten. Es hört sich nach Kindern an, nach vielen Kindern. Diese gibt es natürlich auch im deutsch-tschechischen Kindergarten "Kids Company Prag" im Prager Statteil Vinohrady. Man merkt ihnen beim Spielen im idyllischen Vorgarten einer schönen großen Villa die Lebensfreude an.

Am 24. April hatte der Kindergarten bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr zum Tag der offenen Tür eingeladen. "Eben waren einige Interessenten da", sagt Markéta Frank. Die Leiterin des Kindergartens verspricht sich viel von so einer Aktion: "Es sollen einige Eltern mit ihren Kindern kommen und sich den Kindergarten anschauen." Das Interesse ist groß. "Wir haben Kapazität für etwa 40 Kinder", erzählt Pädagogin Zuzana Podruhová, "momentan sind bei uns 35 Plätze belegt."

Eltern konnten sich beim Tag der offenen Tür ein Eindruck vom Tagesablauf machen. "Wir haben kein spezielles Programm vorbereitet", meint Markéta Frank, "die Eltern kommen, werden im Haus herumgeführt, können sich alles anschauen und ihre Kinder können in der Gruppe mitspielen."

Die Besonderheit beim "Kids Company Prag" ist natürlich die deutsch-tschechische Sprachgestaltung bei der Erziehung. "Wir sprechen beide Sprachen im Team, haben drei deutsche und vier tschechische Erzieherinnen, die sich um die Kinder kümmern", sagt Leiterin Frank. Etwa die Hälfte der Kinder kommt aus zweisprachigen Familien. "Wir sind keine Schule, wir bringen keine einzelnen Wörter bei. Die Kinder lernen den Alltag beim Spielen und Erzählen kennen und wir versuchen wie ihre zweisprachige Familie zu Hause zu wirken", erzählt Markéta Frank. Diese Methode heißt "Sprachbad". Die Jüngsten werden also in das Becken mit zwei Sprachen "geworfen". Und die meisten Kinder kommen eben aus zweisprachigen Familien, bei denen im Haushalt neben tschechisch auch chinesisch, russisch, bulgarisch, französisch oder vietnamnesisch gesprochen wird.

Gemeinsame Sprache


"Die Kinder finden immer eine gemeinsame Sprache. Das ist kein Problem", meint Frank. "In unserer Gesellschaft könnten sich so manche Erwachsene in dieser Hinsicht noch eine Scheibe abschneiden. Die Kinder verstehen sich, spielen entspannt mit anderen. Es entstehen Freundschaften. Keinen interessiert dabei die Herkunft" weiss sie.

Unterschieden wird aber doch in zwei Gruppen - allerdings nur im Alter. Es gibt eine "Küken-Gruppe" in der alle Kinder von 18 Monaten bis drei Jahre untergebracht sind und eine "Enten-Gruppe", die Kinder ab drei Jahren bis kurz vor dem Schuleintritt beherbergt. Und aus dieser Gruppe wird noch einmal eine "Schwalben-Gruppe", die Vorschulkinder, die für besondere Projekte vorgesehen sind, gebildet.

Projekte gibt es im Kindergarten zu Hauf. Ende April steht das Hexenfest auf dem Programm - bei dem getanzt, gesungen, Würstchen oder Stockbrot über einem Lagerfeuer gebraten wurden und es sogar ausdrücklich erwünscht war, dass nicht nur Kinder, sondern auch Eltern in Hexenverkleidung kommen. In kurzen Abständen lassen sich die Pädagogen immer wieder neue interessante Projekte einfallen. Zum Beispiel gab es eine Woche, an dem die Kinder ganz ohne Spielsachen auskommen mussten. "Wir haben dann alles weggepackt und es gab nur noch Naturprodukte zum Spielen. Manche haben den Unterschied bewusst gar nicht mitbekommen", lachte Markéta Frank.

So wurden aber auch schon Projekte über die wirklich schöne Villa absolviert. Denn diese hat eine interessante Geschichte. Die Kindergartenvilla wurde 1924 von dem berühmten tschechischen Maler und Bildhauer Jan Štursa gebaut. Er zog mit seiner Frau, der Opernsängerin Božena Durasová, ein. Sie vermiete nach dem Tod ihres Mann, nur ein Jahr nachdem man eingezogen war, Räume der Villa.

1938 bekam das Haus mit den jungen Eheleuten Leo und Marta Ultmann neue Mieter. Das Ehepaar war jüdischen Glaubens und hatte es zur Zeit des Nationalsozialismus folglich schwer. Marta und Leo Ultmann sind im Jahre 1943 in Auschwitz ermordet worden. Im Juni 2013 ließ man gemeinsam mit den Kindern vor dem Kindergarten Stolpersteine für Marta und Leo Ultmann verlegen. Sie sollen an die Holocaustopfer erinnern.

Seit dem Tod von Božena Durasová im Jahre 1961 ist das tschechische Außenministerium Eigentümer der Villa, seit 2008 ist sie an den deutsch-tschechischen Kindergarten vermietet.

Auch in Zukunft soll in der Villa und beim Kindergarten noch viel passieren. "Uns würde es reizen deutsche Unternehmen und Firmen in Prag anzusprechen und ihnen Betriebs-Kindergärten anzubieten. Da verhandeln wir schom", sagt Frank. Auch Betreuung am Wochenende, lange Öffnungszeiten von 7.30 Uhr bis 18 oder 20 Uhr werden angeboten. Gefragt ist auch Babysitting am Abend. Man versucht sich und das Angebot - und damit den jetzt schon hervorragend schönen und idyllisch beschaulichen Kindergarten "Kids Company Prag" immer weiter zu verbessern.

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